Von Landräten und Nikoläusen

Am 6. Dezember – allgemein hin als Nikolaus bekannt – fand der letzte Kreistag der XVIII. Wahlperiode im Landkreis Hildesheim statt. Die Verwaltung hatte datumsgerecht die Tische der Fraktionen mit kleinen Schokoschneefiguren und Nikoläusen liebevoll ausgestattet. Während es für die Lieblingsthemen der Mehrheitsfraktion und derer eingebrachter Anträge naturgemäß Mehrheiten gab – nur der Oppositionsantrag für Wegegrün wurde mit auf den Weg gebracht –  und die Haushaltsabstimmung nach über viereinhalb Stunden Sitzungsmarathon bei Selbstbeweihräucherung (wir haben das ja wohl toll gemacht) bis zur Beleidigung der Minderheit („die Kritik nimmt teilweise schizoprene Züge an“) zu einer rhythmischen Sportgymnastik des fraktionellen Armehebens im Fünfzehn-Sekundentakt verkam, erfolgte dann auch noch ein Lehrstück der Menschlichkeit.

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Ging es doch vornehmlich um den Antrag der AfD-Fraktion „Signal für Menschenrechte und Rationalität“, der vornehmlich darauf abzielte, den einen Kreistag zuvor geschlossenen Antrag der Fraktionen DIE LINKE sowie Bündnis 90/Die Grünen für die zusätzliche Aufnahme von aus Seenot Geretteten im Hildesheimer Kreis, und damit die Unterstützer der Aufrechterhalter europäischer Humanitätswerte, ins Lächerliche zu ziehen und zu suggerieren, dieses sei kein Anliegen, dass den Kreis beträfe.

Hatte es bei der Abstimmung über die Kreistagstagesordnung zuvor noch seitens des Landrats gehiessen, der Antrag käme nicht zur Behandlung, wurde dieser dann unter dem Motto „gleiches Recht für alle“ seitens der AfD eingebracht. Neben Hinweisen von Kreistagsabgeordneten, warum der Antrag nicht zu behandeln sei, gerierten sich die Beiträge von Unabhängigen in sachlicher Form der Ablehnung zu einem Aufbrausen  der FDP, „es ginge nicht um Inhalte, sondern nur um reines Schaulaufen populistischer Anträge, damit Herr Sturm mit einem Bild in die Tageszeitung komme.“ Endlich setzte dann auch der Applaus der AfD-Fraktion ein – gegen den eigenen Antrag, woraufhin die Sitzungsleiterin Frau Hohls in Richtung AfD fragte, ob denn überhaupt noch abgestimmt werden solle.

Die „bürgerlichen Parteien“ und die AfD nehmen den Mehrheitsbeschluss des Kreistages nicht ernst, dass eine Herzensangelegenheit vieler Menschen im Kreis es ist, näher zusammen zu rücken, und den Hilfebedürftigsten auf dem Mittelmeer die rettende Hand entgegenzustrecken, dass diese dem Ertrinkungstod entgehen können und einen sicheren Hafen finden. Auch der Landrat bringt diesem Anliegen durch seine Äußerungen und seinem Nichtstun entsprechende Geringschätzung hervor.

Das es anders, und das Haltung geht, bewies hingegen Dr. Ingo Meyer. Aktuell waren in den letzten Tagen 12 Gerettete und teilweise schwer Erkrankte wieder zu einer Irrfahrt auf dem Mittelmeer verdammt. Hildesheims Motor in Sachen Humanität Claus Beckmann wandte sich mit der dringenden Bitte an die Hildesheimer Politik und Verwaltung, den Resolutionen praktische Taten folgen zu lassen. Die Stadt Hildesheim ist dieser Bitte gefolgt, und hat sich umgehend mit der Landesaufnahmebehörde und dem Innenminister in Verbindung gesetzt, mit der Bitte um Prüfung, ob diese Geretteten im Rahmen des rechtlich Möglichen in Hildesheim einen sicheren Hafen finden können. Danke, Dr. Ingo Meyer!

Wer im übrigen sich etwas mit der Geschichte des Nikolaus beschäftigt, dem wird wieder in Erinnerung gerufen, dass Nikolaus von Myra insbesondere auch in Verbindung mit der Rettung von in Seenot Geratener verehrt wird.